2010/4 Orléans – St-Brevin

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15. – 19. Juli: Endspurt mit Gegenwind
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15. Juli: Orléans – Candé-sur-Beuvron – 90km (A-B)

Heute haben wir Gegendwind. Frag nicht wie! Wir strampeln tapfer gegen unseren unsichtbaren Gegner an. Aber nach dem Ruhetag kommen wir sehr gut vorwärts, es dauert einfach etwas länger. Unsere Mittagspause machen wir im Schlossgarten von Château Chambord. Eine Besichtigung in dieser riesigen Vergnügungsmaschinerie für Touris schenken wir uns allerdings.
Das Highlight des Tages ist das Tanken von 0,5l Benzin an einer Tankstelle. Nun sollte unser Benzin!!-Kocher (der Name sagt es ja schon) nun doch endlich kochen und nicht nur rauchen und stinken. Am Abend gibt es Linsen mit Würschtli! Heiss!

16. Juli: Candé-sur-Beuvron – Savonnières – 80km (B-C)

Wir besuchen nun doch ein Schloss, Château du Clos Lucé in Amboise. Leonardo Da Vinci verbrachte dort seine letzten Jahre und neben dem Schloss kann man ein Museum besuchen, in dem einige seiner Erfindungen nachgebaut wurden. Ausserdem gehört ein grosser Garten dazu, der gleichzeit eine Art Museum zum Anfassen ist. Man kann den ganzen Tag dort verbringen. Es wäre kein Problem.
Aber wir haben ja ein Ziel, das Meer! Ich habe allerdings heute ziemlich müde Beine vom Gegenwind gestern. Und auch heute bläst der Wind noch ordentlich. Zu allem Überfluss verfahren wir uns kurz nach Tours, das wir einfach „links“ liegen lassen (nein, wir müssen mitten durch die Stadt in der Freitags Rushhour). Aber irgendwie schaffen wir es auf Umwegen dann doch noch Savonnières. Dort haben wir eine Begegnung mit einem pensionierten Pärchen, die auch schon den Teil des EuroVeloweges zum Schwarzen Meer gemacht haben. Wenn die das können…

17. Juli: Savonnières – Gennes – 87km (C-D)

Es hat sich in abgekühlt und wir radeln bei 20° Grad, ideal! Am Mittag essen wir beide ein Riesensandwich! Riiiiiesig und hmmmm! Die kleinen Freuden des Tages 🙂
Ich spüre meine Knie, die immer noch am Gegendwind zu knabbern haben. Ansonsten sind wir gut gelaunt und geniessen unsere Ferien. Am Nachmittag kaufen wir in der Gegend von Saumur Sekt. Die Gegend ist bekannt und berühmt für Ihre Sektkeltereien. Die Flasche passt perfekt in die Flaschenhalterung an Jörgs Velo. Als wäre sie dafür gemacht! Gut gekühlt und in Folie verpackt schaffen wir es, die ersten zwei Becher (Gläser gibt es natürlich nicht in unserer Küche) kühl zu trinken. Und dann erfahren wir noch, was Fouée ist. Eine Art Pizzateig, der im Steinofen gepacken wird und wahlweise süss oder herzhaft gegessen wird. Lecker!!!
Eine kesse Mieze leistet uns am Abend noch Gesellschaft, sie erinnert mich kolossal an unseren Puma daheim. Und dann sehen wir abends sogar noch Otter in der Loire.
All das motiviert uns, die letzten 200km zu schaffen. Wir freuen uns richtig darauf.

18. Juli: Gennes – Oudon – 107km (D-E)

Wir starten gut gelaunt und frisch in einen kühlen Morgen, 8.30 Uhr geht es los. Die Nacht war sternklar. Es ist Sonntag. Am Mittag haben wir schon 70km geschafft und belohnen mit einem feinen Salat in einem Gartenrestaurant. Heute haben wir Rückenwind! Wir fliegen dem Atlantik entgegen. Das einzige was uns ab und zu bremst sind die vielen anderen Radler, die heute unterwegs sind. Lustigerweise werden wir unterwegs „Opfer“ einer Umfrage zum Loire-Radweg. Gerne geben wir Auskunft, schriftlich. Zur Belohnung bekommen wir eine coole Warnweste mit Logo, Apfelsaft und Wasser. Ist doch was!
Am Abend haben wir gar keine andere Wahl als den Campingplatz in Oudon zu nehmen, der direkt an einer Bahnlinie liegt. Nein – Nachts fahren keine Züge dort, versichert uns die Betreiberin. Son Quatsch! Der SNCF fährt auch Nachts. Und unsere Zeltnachbarn haben ein Baby. Aber mit über hundert km in den Beinen ist das alles egal. Wir schlafen trotzdem.
In Oudon gibt es noch ein Schloss und sonst nicht sehr viel. Ein Restaurant hätten wir gern, das einzige im Ort ist leer und so gehen wir in eine Bar, dort steht auch „Restaurant“. Wir fragen, was es zu essen gibt. Gelächter ist die Antwort. Gegenüber steht ein Pizzawagen, da sollen wir bestellen, Getränke gebe es hier in der Bar! Warum nicht? Die Pizza ist genial, wir werden per Winken vom Pizzamann informiert, als sie fertig ist. Dazu trinken wir Leffe, Bier. Einfach Perfekt!

19. Juli: Oudon – St-Brevin 100km (E-F)

Wir starten früh. Die Züge haben uns sowieso viel zu früh aus dem Schlaf gerissen. In Nante genehmigen wir uns ein Sandwich und düsen weiter. In der Mittagszeit dösen wir ein halbes Stündchen neben einem Hühnerstall. Die Geräuschkulisse ist köstlich, ein Gegackere!
Wir riechen schon das Meer. Leider sehen wir es noch nicht und es stellt sich heraus, dass das letzte Stück der Route noch nicht endgültig ausgebaut ist und wir uns permament auf vorübergehenden Umleitungen befinden. So drehen wir quasi noch eine Ehrenrunde, bevor wir endlich die grosse Brücke von St-Nazaire sehen.
Wir bleiben aber auf der anderen Seite der Loire und steuern St-Brevin an. An kleines, herziges, leider ziemlich touristisches Dörfchen. Es gibt nur zwei Hotels. Wir steigen ab im Hôtel du Béryl. Auch das können wir guten Gewissens weiterempfehlen. Als wir das Zimmer betreten habe ich das Gefühl, ich würde in einen Kühlschrank hineingehen. Nach mehr als zwei Wochen im Freien, mit kleinen Ausnahmen, fühle ich mich innerhalb eines Zimmers ganz komisch. Jörg freut sich am meisten über den Kleiderschrank. Hier bleiben wir, bis zum 23. Juli.

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